Eröffnung am Attersee am 18. April um 11 Uhr
LOOKING BACK – Der Blick zurückDer Blick zurück hinterfragt die Rollen zwischen Zuschauen und Inszenieren und verschiebt die Grenze zwischen Beobachter und Beobachtetem. Die Ausstellung entwickelt sich aus den Arbeiten der beiden Fotograf:innen Michael Ziegler (Innsbruck) und Rita Lino (Mailand), die kontrastierende männliche und weibliche Perspektiven einbringen. Die Kamera wird dabei zu einem Werkzeug, durch das Intimität, Begehren und Projektion ineinander übergehen.
Ergänzt werden diese Positionen durch skulpturale Arbeiten von Richard Hoeck, Ute Müller, Octavian Trauttmansdorff und Danijel Radić, die diese Themen erweitern und materialisieren. Fragmentierte Körperformen sowie gefertigte Objekte, die nah am Körper getragen werden, evozieren Zustände von Obsession, Voyeurismus und taktilem Begehren und verleihen dem, was sonst nur sichtbar ist, eine physische Präsenz.
Michael Ziegler arbeitet mit Zeichnung, Malerei und Fotografie als eigenständige Werkgruppen. Seit 2007 konzentriert sich sein fotografisches Schaffen auf seine „analogen Doppel- und Mehrfachbelichtungen“. Der Schwerpunkt liegt auf Verdopplung, Vervielfältigung, Belichtung und der Einbindung seines eigenen Körpers in die Konstellation aus Kamera, Motiv und Bild, wodurch er eine Rückkehr zu den ursprünglichen Möglichkeiten der Fotografie eröffnet. Er nutzt diese „Verdopplung“, um die situativen Aspekte der Fotografie zu hinterfragen, indem er bewusst den Zufall einführt.
Rita Lino ist Künstlerin und Modefotografin, und ihre Arbeiten lassen die Grenzen zwischen diesen beiden Disziplinen oft verschwimmen, wobei ihre Selbstporträts ihre Arbeit für Modemagazine und Labels beeinflussen. Hier werden ihre „Polaroid Diaries” eine fortlaufende Serie sehr unmittelbarer Schnappschüsse, die sowohl ihr persönliches Leben als auch ihr imaginäres Leben voller unbewusster Sehnsüchte zeigen. Indem sie ihren eigenen Körper/ihr eigenes Bild dem „männlichen Blick“ aussetzt, ermöglicht es ihr, die Funktionsweise von Bildern kritischer zu verstehen. Sie erklärt: „Manchmal, wenn ich mit Models für kommerzielle Projekte arbeite, sehe ich mich selbst in den Posen, die ich von ihnen verlange.“
Richard Hoeck ist bekannt für seine Schaufensterpuppen-Skulpturen (häufig in Zusammenarbeit mit John Miller), die einen Körper evozieren, der dem Blick ausgesetzt ist, zugleich jedoch seiner Handlungsmacht beraubt bleibt. Mit der hier gezeigten Skulptur „Debris“ präsentiert er lediglich „Körperteile“ – Abgüsse von Händen und Armen. Diese erscheinen jedoch nicht als leblose Fragmente eines Kadavers, sondern als Körper im Moment physischer Ekstase.
Ute Müller zeigt kleine, fragile Malereien, die hinter einem Guckloch verborgen sind – eine Vorrichtung, die den Akt des Sehens zugleich einschränkt und lenkt. Dadurch wird die Rolle der Betrachtenden aufgeladen, der Zugang wird intim und kontrolliert. Auch unabhängig von diesem Mechanismus sind ihre Arbeiten ihrer konventionellen Trägerstruktur entzogen: Ihre Malereien gehen häufig unmittelbar in die Wand über – weniger Bild als vielmehr Haut, flach über die Oberfläche gespannt.
Octavian Trauttmansdorff arbeitet mit fotografischen Bildern, jedoch meist in einem skulpturalen Kontext, in dem er die menschliche Gestalt im Verhältnis zum sozialen Raum darstellt. Seine Bilder sind oft fragmentiert und unscharf, um Zeit und Raum widerzuspiegeln. In dieser Ausstellung präsentieren wir frühere Arbeiten (aus den späten 80er- bis frühen 90er-Jahren), die Figuren im Zusammenspiel mit Skulpturen dokumentieren; in dieser Zeit arbeitete er mit Franz West und Günther Förg zusammen. Bei diesen „Bildhauerfotografien“ geht es eher um die Nutzung und Interaktion mit Skulpturen als um die Dokumentation der Skulpturen selbst.
Danijel Radić, ursprünglich als Schuhdesigner ausgebildet, nähert sich seiner Praxis skulptural. Seine handgefertigten Maßschuhe aus Materialien wie Rindsleder oder Fischhaut erweitern die Auseinandersetzung der Ausstellung mit dem Körper. Während Hoeck die Hand isoliert, richtet Radić den Blick auf den Fuß – eine intime, durch Berührung und Gebrauch geprägte Form. Zwischen Objekt und Körpererweiterung verorten sich seine Arbeiten und verschieben das Begehren vom Visuellen ins Taktile.





